daniel wow facebook kann dir jetzt anzeigen wer dein Profil ansieht! Schaus dir an XYZ
Wir oft habt ich in den letzten Tagen diese Nachricht bei Facebook erhalten — ihr bestimmt auch. Ich habe zum Glück nicht auf den beigefügten Link geklickt. Es kam mir spanisch vor, dass ich genau die gleiche Meldung von mehreren Facebook-Freunden erhalten habe. Mittlerweile wissen wir: Dahinter steckt eine App, die ihre Nutzer reinlegt. Statt tatsächlich zu zeigen, wie oft welche Nutzer das eigene Profil aufgerufen hat, gibt es eine Fakeauswertung und das Skript kontaktiert im weiteren Verlauf unangekündit alle oder einen Teil der eigenen Freunde um Werbung für sich zu machen. Klickt der Freund die Nachrichte nicht direkt weg, sondern direkt auf den Link, verbreitet sich —vereinfacht ausgedrückt— das Skript weiter. Facebook stellt selbst klar, dass
es keine Funktionen gibt, mit der Logdateien über Profilbesuche ausgewertet werden können.
Einige schreiben, es handele sich hierbei um einen Facebook-Virus. Zum Beispiel warnt Kroker in seinem
WirtschaftsWoche-Blog vor Facebook-Viren,
business-on.de schreibt gar Hunderttausende Facebook-Nutzer seien Opfer des Wer-ruft-mein-Profil-auf-Virus. Das ist ziemlicher quatsch. Facebook-Virus klinkt natürlich spannend. Leider ist für viele Journalisten derzeit auch nur eine negative Facebook-Schlagzeile eine gute Schlagzeile. Ich habe noch mal in den Definitionen nachgeschaut. Ein Computervirus ist ein sich selbst verbreitendes Programm. Die Definition eines Computerwurms kommt diesem Vorgang schon näher, da es sich um ein Skript handelt, welches sich weiter verbreitet. Am Besten trifft hier aber die Bezeichnung Scam (wird in Deutschland als Vorschussbetrug bezeichnet). Dazu die
Wikipedia:
Der Vorschussbetrug, auch Aquatix genannt, bezeichnet den Betrug (engl.scam) mittels Massen-E-Mails (früher: Fax-Massenversand). Es handelt sich um eine Unterart des in Deutschland strafbewehrten Betrugs (§ 263 StGB). Die Empfänger werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (vgl. Social Engineering) dazu bewegt, an Schneeballsystemen teilzunehmen oder in Erwartung zugesagter Vermittlungsprovisionen gegenüber den Absendern (den Scammern) finanziell in Vorleistung zu treten. Dem Opfer wird zunächst glaubhaft gemacht, ein enormes Vermögen verdienen zu können. Auf diese Gegenleistung des Geschäfts – Geld oder Waren – wartet der Vorschussleistende vergeblich, weil eine Gegenleistung von Anfang an nicht beabsichtigt war.
Bei diesem Vorfall geht es natürlich nicht um Geld! Aber es werden andere Leistungen versprochen, die man erhält, wenn man mindestens auf einen Link klick, die dann aber nicht erhält – trotzdem wird man in ein Schneeballsystem verwickelt.
Ein paar technische Hintergründe / Bobachtungen und eine Warnung gibt es auch bei
Basicthinking oder
Bruteforce. Hier noch mal generelle Tipps für den Umgang mit Facebook-Meldungen:
- Wenn euch per Chatnachricht, Mail, Notification, Event, Markierung oder wie auch immer neue Funktionen versprochen werden, fragt euch: Ist das wirklich der Weg, wie Facebook mich informieren würde?
- Kommt eine Nachricht mit dem identischen Wortinhalt von verschiedenen Leuten aus meinem Netzwerk?
- Habt ihr Zweifel, dann lieber direkt die Nachricht über das “X” schließen und löschen.
- Klickt auch auf keine Links, wenn ihr Zweifel habt.
- Seid ihr unsicher, könnt ihr auch den Text der Nachricht auch bei Google eingeben. Über die Suchergebnisse könnt ihr schnell sehen, ob an anderer Stelle schon diskutiert wurde, ob es sich um Scam handelt, oder nicht.
- Schmeißt von Zeit zu Zeit alle Apps bei Facebook raus, die ihr nicht mehr benötigt oder wenn ihr euch nicht sicher seid ob ihr die noch benötigt oder von wem die Entwickelt wurde. Je weniger Apps auf euren Account Zugriff haben, desto weniger kann eine fehlerhafte Programmierung für Ärger sorgen. Die App-Verwaltung findet ihr hier.
Gestern habe ich noch im Café mit zwei Studenten gesessen und mich über dieses nervige Phänomen unterhalten. Wir haben uns gewundert, dass schon seit Tagen diese nervige Aktion bei Facebook unterwegs ist, dies aber bisher kaum in den Medien Niederschlag gefunden hat. Obwohl sehr viele Freunde immer noch reinfallen. Zu Zeiten des “I love you”-Virus’ war das noch ganz anders. Vielleicht konnte ich mit diesem Beitrag etwas Licht in das Dunkel dieser nervigen Aktion bringen.
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Lieber Daniel,
danke fürs Verlinken – aber mit Verlaub, das halte ich jetzt beinahe schon für eine “sophistische Argumentation”: Möglicherweise entspricht die Bezeichnung als “Virus” nicht der reinen Definition, ja. Aber wie man dieser Tage gut beobachten kann, nimmt die Mehrzahl der Nutzer solche Warnungen ohnehin nicht sonderlich ernst, so dass eine gewisse Zuspitzung meines Erachtens erlaubt ist. Denn dass das Phänomen der Facebook-Viren/Würmer/Scams nervig ist, darüber sind wir uns ja wohl einig
Gruß, Michael
Hallo Michael,
ja – diese Phänomene sind wirklich nervig. Aber die Argumentation, dass ich einen falschen Begriff nutzen kann, nur weil den viele meiner Leser auch nicht richtig gebrauchen, halte ich für falsch.
Ich finde Journalisten haben auch Vorbildcharakter und sollten dann sauber mit den Begriffen arbeiten
Gruss Daniel