fiene & claus kleber, twitter-superstar!

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Während ich das 6:0 7:0 7:1 für Deutschland gegen Brasilien verdaue, müssen wir noch einmal über Claus Kleber reden. Bekannt aus der Halbzeitpause. Während er durch das Heute-Journal moderierte, fiel mir ein Gespräch von heute Nachmittag mit meinem Kollegen Marc Hippler ein. Jetzt ist mir klar: Claus Kleber, was bist du für ein Twitter-Superstar!

Seit wenigen Wochen ist Mr. Heute-Journal auf Twitter aktiv. Mit nur 57 Tweets hat er erreicht, was Netzpolitik nicht in 22.000 Tweets geschafft hat, geschweige denn Barack Obama mit seinen 44 Millionen Followern! Und ich meine nicht seine Tweets von seiner hektischen Reise zu Hillary Clinton, aus denen sich andere Journalisten Schaum vor den Mund geschrieben haben. Zu Günther Jauch ist sie schließlich persönlich gekommen.

Ist euch schon aufgefallen, dass Claus Kleber Tweets manchmal an sich selbst schreibt? Er beginnt mit “@clauskleber”.

Und dieser Tweet ist keine Ausnahme. Siehe hier:

Oder hier:

Und nicht zu vergessen hier:

Warum macht er das? Hat ihm niemand erklärt, dass er das nicht braucht? Oder drückt er in seiner Twitter-App lieber auf “Antworten”, wenn er einen seiner Tweets schreiben möchte, als auf “Neuen Tweet verfassen”?

Der Witz ist: Die Lösung ist einfach und genial zu gleich. Darauf scheint vorher noch niemand gekommen zu sein. Selbst Chuck Norris oder Hans Sarpei haben das noch nicht geschafft: Die 140-Zeichen-Grenze von Twitter zu sprengen.

Wie ich das meine? Immer wenn wir auf einen Tweet antworten, entsteht eine Referenz auf den vorigen Tweet. Wenn wir eine Antwort im Web oder in der App lesen, können wir den vorigen Tweet sehen. Dies funktioniert auch bei der Antwort auf eigene Tweets. Das habe ich so aber noch nicht gesehen. Claus Kleber ist die Ausnahme – er schafft es so, Verbindungen zu älteren, aber inhaltlich passenden Tweets aufzubauen.

So wird ganz neues Storytelling möglich.

Während viele Twitter-Neulinge ein paar Monate brauchen, um das Prinzip des Netzwerkes zu verinnerlichen, hackt Kleber Twitter mit dessen eigenen Waffen Twitter und schafft etwas, was wir langjährige Twitter-Nutzer weder entdeckten, geschweige denn im Twitter-Alltag praktizieren. Hut ab!

Ob dieser Praxis den Durchbruch gelingt? Sich selbst zu antworten klingt sehr selbstreferentiell. Aber das passt ja auch in die Welt der Social-Media. Immerhin: Bezüge schaffen Kontext und bereichern die Vermittlung von Inhalten.

Einen Vorschlag für eine Bezeichnung des Self-Replys hätte ich auch schon: Einen Tweet ranklebern.

fiene & briefe meines chefredakteurs aus new york

Was bei dem ganzen Silicon-Valley-Hype vergessen wird: Aus journalistischer Sicht ist die US-Ostküste viel spannender. Substanz von Hype in Bezug auf die Valley-Welt an der US-Westküste trennten wir schon vor ein paar Wochen in einer “Was mit Medien”-Sendung. Jetzt möchte ich eure Aufmerksamkeit auf die Ostküste lenken. 

In der vergangenen Woche war mein Chefredakteur Michael Bröcker in New York. Mit einigen Kollegen ging es auf große Tour: Die Chefredakteure besuchten traditionelle Medien und journalistische Startups und fühlten ihren Gastgebern auf den Zahn, wie sie dem Medienwandel begegnen. Bröcker hat in seinem täglichen Newsletter “Stimme des Westens” (holt euch hier den Newsletter) täglich ein paar Eindrücke an unsere Leser verschickt. Verpasst? Kein Problem! Hier ist die Sammlung der Briefe meines Chefredakteurs aus New York: 

1. Juli — Brief aus New York

Heute schreibe ich Ihnen aus New York, meiner persönlichen Hauptstadt der Welt. Die impulsierende und zugleich selbstbewusste und gelassene US-Metropole ist ein urbanes Wunder. Dieses Mal bin ich auf “Bildungsreise”. Die renommierte Fachzeitschrift für Journalismus, das “Medium Magazin“, hat unter Leitung von Chefredakteurin Annette Milz für einige Medienschaffende aus dem “alten Europa” eine Tour zu den Informationsverkäufern der “neuen Welt” organisiert. New York Times, Forbes, Buzzfeed, ProPublica, you name it. Die Gretchenfrage der Medienbranche wird auch jenseits des Atlantiks gestellt: Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus? Und: Wer bezahlt ihn? Raju Narisetti, Vize-Präsident von Newscorp (u.a. Wall Street Journal) gab uns gleich zu Beginn eine wichtige Botschaft mit: “Show confident in your content!” Zuversicht und der Glaube an das eigene Produkt. Unsere journalistischen Inhalte haben einen Wert (und deshalb einen Preis). Egal auf welchem Weg Nutzer sie konsumieren. Die Kollegen des Wall Street Journal gehen so weit, dass sie von den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und LinkedIn Geld haben wollen, wenn sie deren “Share”-Button auf ihrer Nachrichtenseite platzieren. Ein ambitioniertes Projekt.

2. Juli — Journalismus als Liste

Mein New-York-Trip nimmt Fahrt auf. Acht Medienunternehmen in 48 Stunden. Von Forbes über Buzzfeed bis zu Betaworks. Erste Erkenntnis: Der Journalist der Zukunft ist eine eierlegende Wollmilchsau. Multi-disziplinär. Im Idealfall Statistiker, Algorithmen-Analyst, Grafikdesigner, Fotoreporter, Investigativer, Geschichtenerzähler, Sprachvirtuose in einem. Sollten Sie wissen, wo man solche Leute findet, schreiben Sie mir an chefredakteur@rheinische-post.de.

Zweite Erkenntnis des Tages: Was Nachrichten sind, bestimmt der Leser. Das “Buzzfeed-Prinzip”. 130 Millionen Besucher klicken pro Monat auf die Internetseite, vier Mal so viele wie bei der „New York Times”. Buzzfeed ist ein virtueller Rummelplatz. Kirmes im Netz. Lustige Katzenbilder, Ratespiele und Schmunzellisten sind das Konzept. Buzzfeed zeichnet das Leben als Liste. „33 Dinge, woran Sie merken, dass Ihr Tier extrem enttäuscht von Ihnen ist” oder „29 Fehler, die du mindestens einmal im Leben machen wirst”, lauten die Artikel. 500 Mitarbeiter arbeiten für Buzzfeed, 200 davon sitzen im New Yorker Hauptquartier in bester Lage am Madison Square Garden. 50 Millionen Leser weltweit interessierten sich etwa für die Bilderstrecke „21 Bilder, die Ihren Glauben an die Menschlichkeit wiederherstellen.” Ist das Journalismus? Das können Sie im September selbst entscheiden. Dann geht die deutsche Fassung von Buzzfeed online.

3. Juli — Investigative Kompetenz

Tag drei unserer Tour d’Horizon durch die New Yorker Medienlandschaft. Die (Klickzahl-) Könige des seichten Online-Entertainments, Buzzfeed & Co., hinter uns, kehrt bei ProPublica der Glauben an den seriösen Journalismus zurück. Die mit Pulitzer-Preisen ausgezeichnete 45-köpfige Redaktion ist auf investigativen Journalismus spezialisiert. Skandale aufdecken, Missstände anprangern. Klassischer Journalismus. Kein Sex, kein Klatsch, keine Katzen. Und: Als gemeinnütziger Verein ist Pro Publica unabhängig von Werbe- und Anzeigenbudgets. Journalismus als Wohlfahrtsprojekt gewissermaßen. In Deutschland geht in diesen Tagen mit Correctiv ein ähnliches Projekt an den Start, finanziert durch die Brost-Stiftung. Was dahinter steckt, erklärt Mitgründer Daniel Drepper in unserem Interview. Im Wandel der Branche schauen viele auf die New York Times, die wohl renommierteste Zeitung der Welt. Die Zutaten für den Journalismus von morgen, der akkurat und ansprechend, multimedial und multidisziplinär, exklusiv und empathisch sein soll (und bitte stets wirtschaftlich), haben die Verantwortlichen der 163 Jahre alten Institution natürlich nicht. “Wir hinken alle der Entwicklung hinterher”, sagt selbstkritisch Arthur Gregg Sulzberger, Verlegersohn und jüngst für den Innovations-Report des Hauses verantwortlich. In dem Gespräch mit uns macht Sulzberger aber auch klar, dass Journalisten schnell umdenken müssen, die neuen Kommunikations- und Recherchetechniken offensiv annehmen sollten. Egal, auf welchem Kanal sie Informationen vertreiben. Übrigens: 800 000 Nutzer weltweit haben bereits ein Digital-Abo der New York Times.

4. Juli — Jarvis’ Standpauke

Die Reise nach New York endet mit einem Gewitter und einer Kopfwäsche. Blitze zucken über dem Deutschen Generalkonsulat am East River in Manhattan, als der US-Journalistik-Professor und Internet-Apologet Jeff Jarvis uns Versagen vorwirft. Die deutschen Medien bräuchten eine Umgebung der Innovation und desAufbruchs, sagt Jarvis. „Was existiert, ist Verzweiflung. Wenn die Verlage nicht allmählich die neuen digitalen Chancen ergreifen, wird es der Junge in der Garage für Euch erledigen“, ruft der Autor des Buches „Was würde Google tun?“ den versammelten Chefredakteuren zu. Jarvis’ Theorie: Das digitale Zeitalter bietet Chancen für Leser und Medienmacher. Allerdings müssten Journalisten „sozialer“ werden. Raus aus den Elfenbeintürmen namens Redaktion. Zuhören, neue Themen aufgreifen, in sozialen Netzwerken kommunizieren, Direktkanäle schaffen, eine loyale Leserschaft aufbauen. Das sei entscheidend. Ich kann dem Mann nur Recht geben. Wir Journalisten müssen nicht nur unsere Arbeitsweise, sondern gelegentlich auch unsere Einstellung hinterfragen. Selbstkritik kann innovativ sein. Auch deshalb schreibe ich diesen Newsletter. Ihre Meinung ist mir wichtig. Anregungen und Kritik bitte weiterhin gerne an: chefredakteur@rheinische-post.de

fiene & mag rot-grün den lfm-direktor nicht mehr? (update)

Vor ein paar Tagen habe ich etwas über die politischen Bestrebungen in NRW geschrieben, den Bürgerfunk früher auszustrahlen. Heute gibt es im Landtag die zweite Lesung des Gesetzentwurfes der Landesregierung zur Änderung des Landesmediengesetzes (siehe Tagesordnung) – zur zweiten Lesung gehört traditionell auch die Abstimmung. Es geht natürlich nicht nur um den Bürgerfunk, sondern um zahlreiche Veränderungen in unterschiedlichen medienpolitischen Bereichen hier in NRW. Dazu gehört auch, dass die Landesanstalt für Medien künftig z.T. für Telemedienangebote die Aufsicht trägt. Ich persönlich freue mich auch, dass besser geregelt wird, wie im lokalen Rundfunk die Zuständigkeit von Web-Angeboten zu sehen ist.

Aber zurück zum Bürgerfunk: Die Landesregierung will in ihrem Gesetzentwurf die Zeiten für den Bürgerfunk nicht verändernAllerdings gehe ich davon aus, dass sich der Bürgerfunk doch verschieben wird. So wollen SPD Und GRÜNE einen Änderungseintrag einbringen. Online habe ich den leider noch nicht gefunden, aber er liegt mir vor. Darin erfahren wir, dass der Bürgerfunk werktags künftig um 20 Uhr, statt um 21 Uhr gesendet werden soll. Damit kann ich persönlich leben. Bei Zeiten kann ich gerne berichten, wie die Hörer auf den 20-Uhr-Sendetermin reagiert haben.

Kurz vor knapp werden von den Fraktionen von SPD und GRÜNEN aber noch andere Änderungen eingebracht, die mich staunen lassen. Ich finde das
ausdrückliche Bekenntnis zur Netzneutralität angebracht und nachvollziehbar. Ein Punkt lässt mich aber ratlos zurück: Mag Rot-Grün in NRW den Direktor der Landesanstalt für Medien nicht mehr?

Explizit heißt es in einer Ergänzung: Der Direktor der Landesmedienanstalt soll die Befähigung zum Richteramt haben. Als Begründung wird angebracht, dass Landesmediengesetze in einigen anderen Bundesländern diese Anforderungen auch  vorsehen und die veränderten Aufgabenbereiche die Fähigkeiten eines Volljuristen erfordern. Ich habe mir direkt die Biografie vom aktuellen LfM-Direktor Jürgen Brautmeier angesehen: Er ist kein Volljurist, sondern Historiker. Im Herbst 2010 hat er sein Amt angetreten. Seine Amtszeit dauert sechs Jahre. Im übernächsten Jahr dürfte er, beim zu erwartenden Erfolg dieses Änderungsantrags, nicht wieder antreten.

Mich lässt solch ein weitreichender Änderungsantrag mit verschiedenen Fragen zurück: Warum wird in einem Gesetz die Anforderung an einen Direktorenposten neu geregelt, die der aktuelle Amtsinhaber nicht erfüllt? Warum fällt den Antragstellern erst ein Tag (Datum des Änderungsantrags) vor der zweiten Lesung im Parlament auf, dass auch einige andere Landesmedienanstalten nur Volljuristen als Direktor akzeptieren? Jetzt könnte man sich die Änderungen zur Besetzung der Medienkommission auch noch einmal näher anschauen und dann evaluieren, zu wessen Vor- und Nachteil dies ist. Aber schon die zuvor gestellten Fragen erzeugen bei mir einen faden Beigeschmack.

Update 03.07.: Mittlerweile ist der Änderungsantrag von SPD & Grüne im Netz verfügbar.

Außerdem hat Jürgen Brautmeier auf der LfM-Webseite eine Stellungsnahme veröffentlicht:

Mit dem neuen Gesetz werden entscheidende Weichenstellungen vorgenommen, die auch meine Position als Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen betreffen. Ich fühle mich vom Vertrauen meiner Gremien getragen und werde meine Arbeit unter dem bislang eingeschlagenen Kurs fortführen, in bester Tradition meiner Vorgänger Klaus Schütz und Prof. Dr. Norbert Schneider. Unabhängig von den jetzt getroffenen politischen Entscheidungen werde ich in meiner Eigenschaft als Direktor der Landesanstalt für Medien NRW und als Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) weiterhin für meine Vorstellungen von Staatsferne und Föderalismus kämpfen.

 

fiene & quo vadis bürgerfunk

Wenn ihr demnächst um 18 Uhr euer Radio einschaltet, gibt es keine Programme- und Nachrichten mehr aus eurer Stadt. Der Grund: Die NRW-Lokalradios sollen in der Zeit von 18-20 Uhr Platz für den Bürgerfunk machen. Zumindest ist das die Idee einiger NRW-Medienpolitiker. Vor allem die Grünen treiben die Idee nach vorne, wenn es derzeit um die Novellierung des Landesmediengesetzes geht. Darum soll es auch heute im Medienausschuss des Landtags um 11:30 Uhr gehen. (Hingergründe gibt es beim DJV NRW)

Was würde das für Antenne Düsseldorf bedeuten? Das kann ich nur aus meiner persönlichen Sicht schildern. So müsste für die von mir moderierte “Sendung mit dem Internet” ein neuer Sendeplatz gefunden werden. Sie läuft bisher montags 18 bis 20 Uhr. Das wäre aber das kleinste Problem, denn die Sendung hatte zu ihrem Sendestart auch einen späteren Sendeplatz. Viel stärker ins Gewicht fallen meiner Meinung nach der Wegfall der Lokalnachrichten, lokalen Verkehrsinfos und die Werbeflächen.

Die Bürgerfunker führen gerne an, dass in dieser Zeit sowieso kein lokales Programm gefahren wird. Das stimmt einfach nicht. Sie bräuchten nur einmal in Düsseldorf ihr Lokalradio einschalten. Natürlich gibt es bei den rund 45 Lokalradios auch Sender, die zu dieser Zeit nicht senden. Aber das hat immer etwas mit wirtschaftlicher Kraft des Senders und Bedürfnissen des Sendegebietes zu tun. In Düsseldorf leisten wir uns mit der “Sendung mit dem Internet” ein monothematisches Magazin, wie es im Privatfunk selten ist. Zudem gibt es seit Jahren bekannte Werbesendungen (wie die Sendung der Rheinbahn oder die der Düsseldorfer Wirtschaft), die zum finanziellen Erfolg des Senders beitragen. Zudem gibt es in den zwei Stunden noch Flächen für lokale Werbung sowie lokale Nachrichten und Verkehrsinfos.

Vor mehreren Jahren hat Antenne Düsseldorf die Lokalnachrichten ausgeweitet, sodass sie auch um 18:30 Uhr und 19:30 Uhr zu hören sind. Dies war enorm wichtig, um weg vom 90er-Jahre-Lokalradio-Image zu kommen und sich zum modernen Informationsmedium der Stadt zu verändern. Wie die Quotenentwicklung der letzten Jahre zeigt: Das hat sehr gut geklappt. Durch die Ausweitung können wir dem sich verändernden Nutzungsverhalten in der Großstadt gerecht werden. Es wird später in den Tag gestartet und länger gearbeitet. Entsprechend ist die zweite Rush-Hour, in der die Radionutzung extrem wichtig ist, nicht um 18 Uhr beendet, sondern dauert bis 20 Uhr an. Der Sender bietet von 06:30 bis 19:30 Uhr durchgehende lokale Nachrichten mit lokalen Wetter- und Verkehrsinhalten.

Künftig um 18 Uhr den lokalen Betrieb einstellen zu müssen, kommt für viele Lokalradios einer inhaltlichen und wirtschaftlichen Katastrophe gleich. Ganz ehrlich: Schon heute gibt es viele externe Faktoren, die den Betrieb von Medien herausfordern und belasten. Ich frage mich: Warum sollten wir uns jetzt noch selbstgemachte Probleme um den Hals binden (lassen)?

Das Problem des Bürgerfunks

Das Problem was ich vor allem habe: Das Team hat in den vergangenen Jahren wirklich seine Hausaufgaben und viele Gedanken gemacht, wie es den sich verändernden Bedürfnissen der Hörer gerecht wird. Dazu gehört in der weltweiten Informationsflut vor der Haustüre zu filtern und im Zusammenspiel mit dem Internet eine optimale Verbreitung der Inhalte zu ermöglichen.

Ich würde die Forderung des Bürgerfunks ernster nehmen, wenn ich Bestrebungen wahrnehmen würde, sich auch weiter zu entwickeln. Bürger die etwas zur Meinungsvielfalt in der öffentlichen Debatte beitragen wollen, habe ich in den letzten Jahren aber ausschließlich über das Netz wahrgenommen und nicht über den Bürgerfunk. Ich  empfinde sogar, dass sich der Bürgerfunk dem Internet konsequent verweigert. Dabei könnten die Macher durch einen geschickten Einsatz simpler Methoden eine viel stärkere Wirkung ihrer Inhalte erreichen.

Dabei bin ich selbst ein Kind der Bürgermedien. Ich habe als Schüler meine Kurs-Scheine beim Offenen-TV-Kanal in Münster gemacht. Ich bin total dankbar für die Einrichtung der Campusradios. Dort haben wir nicht nur viel über die journalistische Arbeit gelernt, sondern auch über die Verantwortung eigenverantwortlich eine Rundfunkfrequenz im Live-Modus zu betreiben. So war/ist diese Infrastruktur wichtig, damit sich zum Beispiel unser Medienmagazin “Was mit Medien” überhaupt etablieren konnte. Eine gewisse Verbreitung und Relevanz (Wahrnehmung in der öffentlichen Diskussion) haben wir aber erst über das Netz als Podcast erfahren.

Gerade spezialisierte Inhalte brauchen im modernen Medien-Alltag die Kombination mit dem Netz. Die Bürgerfunk-Formate sind inhaltlich sehr kleinteilig. Aus meiner Erfahrung im Kontakt mit unseren Hörern weiß ich, dass kleinteilige Inhalte zur besten Sendezeit keinen Sinn machen. Vor 20 Uhr werden ganz andere Inhalte erwartet.

Wir haben in NRW eine besondere Situation: Im Privatfunk wird hier noch richtiger Journalismus auch außerhalb der Weltnachrichten gemacht. Während in anderen Bundesländern fast ausschließlich Unterhaltungsredaktionen die kurzen Breaks zwischen der Musik planen, gibt es hier noch journalistische Inhalte von vor Ort. Hier hängen viele gute Arbeitsplätze dran. Den wirtschaftlichen Druck wegen den Wünschen der Bürgerfunk-Szene zu erhöhen, mehr gehört zu werden, kann ich schon alleine deswegen nicht verstehen, weil ich in den letzten Jahren keine Bestrebungen festgestellt habe, sich der neuen Medienwirklichkeit zu stellen. Auch Bürgerfunk muss moderner werden – und nicht dadurch, weil man sich mit Hilfe von Gesetzen in ein gemachtes Nest setzt.

Ach übrigens: Die Facebook-Seite “Zukunft Bürgerfunk” hat über die letzten Jahre ganze 91 Leute gefunden, die auf gefällt mir gedrückt haben.

fiene & whatsapp

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal WhatsApp verteidigen muss, aber ich habe einen Lesetipp für euch: Das Märchen von WhatsApp und dem Verkauf unserer Bilder. Um wieder Karma-Punkte gut zu machen, werde ich in Kürze aber auch einen ausführlichen Threema-Artikel schreiben. Sicher ist sicher.

fiene & digitales quartett goes interactive cologne

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In Berlin haben wir es schon getan. In Texas auch. Jetzt ist Köln an der Reihe: Unser Digitales Quartett geht auf die Bühne! In dieser Woche findet das Interactive Cologne Festival statt und wir sind mit dabei. Wir holen wie bei der re:publica oder der SXSW unsere kleine meist-wöchentliche  YouTube-Talkshow in die Kohlenstoffwelt und bringen euch spannende Köpfe der Kreativszene näher.

Von  uns Gastgebern werden Franziska Bluhm und ich durch das Quartett führen. Da Ulrike kurzfristig ausgefallen ist, haben wir einen tollen Gäste-Gastgeber: Johnny Haeusler von Spreeblick.com wird mit durch das Digitale Quartett führen.

Ihr habt wieder die Gelegenheit Papiertweets zu schreiben und uns bei unseren Blind-Date-Interviews zu unterstützen. Franzi, Johnny und ich haben einen Blind-Date-Interviewgast, der jeweils von einem der anderen Gastgeber erraten werden muß. Es folgt ein kurzes Blind-Date-Interview

Wo? Interactive Cologne, Donnerstag, 12 Uhr, Main Stage.

Nicht vor Ort? Über Zuschau- und OnDemand-Abrufe werde ich euch noch informieren. Folgt dem Twitter-Account  @interactive_cgn und dem Hashtag #Interactivecgn für Tweets vom Festival!

fiene & die nummer 38

Ich bin Nummer 38. Weil ich ein Freund des Ausprobierens bin. Ich habe in dieser Aktion keine Aktien. Trotzdem möchte ich dich bitten, die Krautreporter-Aktion zu unterstützen.

25 freie Journalisten suchen innerhalb von vier Wochen 15.000 Menschen, die 60 Euro bezahlen. Mit dem Geld soll auf Krautreporter.de ein neues Online-Magazin starten. Jeden Tag soll es hochwertige Autoren-Texte geben. Mit dabei sind Stefan Niggemeier, Jens Weinreich, Richard Gutjahr und viele andere, die schon bewiesen haben, dass sie solch ein Versprechen halten können.

Auch wenn du nichts mit Medien machst, sind die Krautreporter etwas für dich. Wenn du dir die Mühe machst und die Arbeiten der Journalisten genauer anschaust, kannst du das Ergebnis nur erahnen. Wie phantastisch wird es, wenn diese Arbeiten an einem Ort stattfinden. Leider erklären die Krautreporter nicht so gut, wie das Magazin konkret aussehen wird, wenn es fertig ist. Sie sprechen mit ihrer Kampagne bisher stärker die Bedürfnisse der Medienmacher an, als des normalen Bürgers. Was die Netzgemeinde ständig falsch macht, machen die Krautreporter auch nicht besser.

Screenshot 2014-05-19 11.01.35Am Donnerstag war Mit-Gründer Sebastian Esser bei uns in “Was mit Medien” auf DRadioWissen. Er hat viele Fragen rund um das Projekt beantwortet. Die Sendung “Wir sind die Kraut” kannst du hier nachhören.

Die Diskussion um die Krautreporter hat im Netz eine interessante Eigendynamik bekommen. Es gibt berechtigte Fragen, aber auch überraschende Meta-Diskussionen. Einige fühlen sich davon abgeschreckt.

Morgen ist die erste Woche der Krautreporter schon um. Bisher haben 4136 Menschen 60 Euro investiert. Das ist zu wenig. Wie können wir als Gesellschaft ernsthaft ständig darüber diskutieren, wie Journalismus in Zukunft aussehen und sich finanzieren soll, aber selbst nicht an vorderster Stelle dabei sein, wenn ein konkretes Projekt um Unterstützung bittet?

Dieser Widerspruch wurmt mich. Gründe die Krautreporter nicht zu unterstützen, lassen sich bisher auf persönliche Eitelkeiten reduzieren.

Ich bin Nummer 38. Welche Nummer bist du?

fiene & eine freie crossmedia-praktikums-stelle

Das ist keine schöne Überraschung: Mega-Kurzfristig hat eine Praktikantin für ihre Crossmedia-Stelle abgesagt. Ziemlich kurzfristig – aber immerhin hat sie abgesagt. Deswegen suche ich jetzt nach einer Alternative. Habt ihr Interesse an einem spannenden sechswöchigen Crossmedia-Praktikum, welches euch die Themen Online-Redaktion und Hörfunk-Journalismus näher bringt? Ich habe auch in den nächsten Wochen einiges bei uns an der Homepage vor und könnte für die Projektarbeit gut Unterstützung gebrauchen. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, mir ist gutes Schreiben und redaktionelles Gespür wichtiger. Der Zeitraum: ab sofort bis zum  13.06.2014. Fragen beantworte ich gerne persönlich. Infos gibt es auch auf der Antenne-Homepage. Falls ihr euch generell auch für einen späteren Zeitpunkt interessiert, könnt ihr euch auch gerne bei mir melden. Hier und da sind noch einige Zeiträume frei. Wenn ihr jemanden kennt, der sich für das Praktikum begeistern könnte, leitet es gerne weiter.

fiene & was ist dein re-publica tipp? #rp14

Noch vier Mal schlafen, dann ist re-publica! Herr Pähler und ich wollen deswegen morgen (Samstag) unsere Hörer bei DRadioWissen auf die beste deutsche Netzkonferenz einstimmen. Bist du auch da? Hast du auch eine Veranstaltung? Willst du dafür Werbung machen? Oder für einen anderen Geheimtipp, den du im Programm entdeckt hast? Sprich uns doch bitte auf unseren Anrufbeantworter.

So geht’s:

  • Ruf uns unter der 0211 98 39 39 50 oder unter dem Skype-Namen onlinetalkwissen an.
  • Stell dich kurz vor.
  • Erzähle kurz von deinem re-publica-Programmtipp (deine eigene Session, oder eine fremde Session).
  • Oder du erzählst deinen Tipp, was man über die re-publica wissen muss (was trage ich, was trinke ich, wo feiere ich, wo lerne ich).
  • Keine Sorge: Versprecher schneiden wir!
  • Danke :-)

Am Samstag hört ihr somit nicht nur die Tipps von Herrn Pähler und mir, sondern auch von euch!

Auf geht’s:

 

P.S.: Kennt ihr Leute, die eine Session auf der re-publica halten? Leitet diese Info doch gerne weiter.

fiene & das digitale quartett #61

Wir senden wieder – von 21 bis 22 Uhr live auf YouTube. Es gibt eine neue Ausgabe von unserer kleinen Internet-Talkshow. Heute tauschen sich Franziska Bluhm, Thomas Knüwer, Richard Gutjahr und ich uns über die Themen aus, die ihr uns unter dem Twitter-Hashtag #Quartett reinreicht. Viel Spass!

Update 22:00 Uhr: Danke für’s mitmachen! Wir haben erst über die Spendenbereitschaft im Netz, über das diskutierte Aus von Google+, den falschen Jugendwahn bei Facebook und dann noch über singende deutsche in einer texanischen Bar geredet.

fiene & was bisher geschah (15/2014)

Zunächst eine kleine Vorschau: Am Mittwoch findet der nächste Twittwoch hier in Düsseldorf statt. André hat schon viel organisiert und ich helfe ihm wieder bei der Web-Begleitung und der Moderation des Abends. Gerade konnten wir noch einmal 30 kostenlose Tickets ergänzen. Wir haben dann die Gelegenheit u.A. die Gesichter hinter den Twitter-Accounts @videopunk und @ufomedia kennenzulernen. Ich würde mich freuen, wenn ihr kommt und Hallo sagt! Bei der Sendung mit dem Internet gibt es alle Infos und die Möglichkeit, sich auf die Gästeliste setzen zu lassen. Pro-Tipp, wie ihr an die Tickets kommt: Wenn gerade keine verfügbar sind, könnt ihr euch auf eine Warteliste setzen lassen. Sollten kurzfristig Tickets zurückgegeben werden (das ist normal), habt ihr die Gelegenheit nachzurücken.

Ich kann mich an keine Woche erinnern, in der ich so viele Passwörter geändert habe. Erst die Sache mit den Mail-Accounts, dann der Skandal rund um Heartbleed. Mir hat gefallen, wie Mashable die wichtigsten US-Webseiten angefragt hat, ob deren Kunden ihre Passwörter ändern sollten. In Deutschland fehlte mir eine umfassende Liste.  Wir haben deswegen bei den wichtigsten deutschen Webseiten nachgefragt und herausgekommen ist diese Liste:  Telekom, GMX.de, 1&1 und Freenet empfehlen Passwort-Wechsel. (Zugegeben: Bei Google habe ich zwar die 2-Faktor-Authentifizierung eingeschaltet, ansonsten viele Passwörter gewechselt, aber 1Password & Konsorten habe ich noch nicht ausprobiert. Sollte ich mal machen.)

Es gab auch ordentlich Radio auf die Ohren: In der Sendung mit dem Internet haben wir zum Beispiel die sehr lohnenswerte offizielle Webseite der Quadriennale empfohlen, die seit dem vergangenen Wochenende hier in Düsseldorf stattfindet. In Was mit Medien bei DRadioWissen haben wir uns mit Roboterjournalismus beschäftigt. Textautomation ist ganz schön abgefahren. Daneben haben wir auch noch mal Tame vorgestellt. Dieses Twitter-Tool ist für Journalisten wirklich praktisch – ich probiere gerade aus, ob es in meinen täglichen Workflow passt.

Und dann war letzte Woche noch Abgabe meiner Bewertungen für den Grimme-Online-Award. Hunderte Webseiten und Apps mussten wir jeweils bewerten. Heute und morgen findet die Sitzung der Nominierungskommission statt. Was mich in der Zwischenzeit beschäftigt: Wie gehe ich eigentlich mit mobilen Apps um, die nur für das Smartphone, aber nicht für Tablet optimiert sind? Darf man sich das im Jahr 2014 überhaupt noch leisten?

 

 

 

fiene & was bisher geschah (14/2014)

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Was für eine Woche! So einen Job-Wechsel gibt es halt nicht alle Tage.

Am Montag gab es in der “Sendung mit dem Internet” Besuch von André Paetzel, der uns von seinem Besuch des Düsseldorfer Videocamps berichtete. Ich habe es leider wieder nicht zum Videocamp geschafft. Ich selbst habe in der Sendung noch ganz viel von meinem Besuch bei der South-by-Southwest in Texas erzählt. Hört es euch doch noch mal an.

Am Dienstag war nicht nur ein neuer Monat, sondern auch der erste April: Für mich ging es bei RP Online los. Ich muß sagen, dass die neuen Kollegen mich unheimlich freundlich aufgenommen haben. Schon nach fünf Minuten war die Aufregung verflogen. Auch auf der Facebook-Seite von RP Digital bin ich nett willkommen geheißen worden. Das Foto stammt von dort und ist vom Redaktionsleiter Oliver Havlat aufgenommen worden. Mein Tipp: Drückt doch auf “Gefällt mir” auf der Facebook-Seite; das gibt viele gute Karma-Punkte. (Wenn du gerade nicht ganz mitkommst: Über meinen Wechsel innerhalb der Firmengruppe habe ich vor ein paar Tagen schon gebloggt.)

Mein erster Text bei RP Online dreht sich um die in dieser Woche offiziell gestartete Deutsche Digitale Bibliothek. Leider ein Verriss. An für sich ist die Suchmaschine für deutsche Kultur beeindruckend. Leider haben die Verantwortlichen zum Start die Messlatte zu hoch gehängt. Hätten sie ehrlich zugegeben, dass dieses Projekt sich dann doch primär an Wissenschaftler und Experten richtet, wäre das Fazit anders ausgefallen. Aber für Nicht-Museumsgänger und als Werkzeug, um junge Leute zu begeistern, eignet sich die Webseite wirklich nicht.

In der ersten Woche hat unsere crossmediale Idee auch schon ganz gut gegriffen: Als der Datenraub von 18 Millionen E-Mail-Adressen und Passwörtern rauskam, habe ich erst morgens im Radio drüber gesprochen, für online etwas geschrieben und dann sogar auch noch ein Stück für die Zeitung fertig gemacht. Interessanterweise bot es sich an, in allen drei Medien die Form von Fragen & Antworten zu behalten.

Darauf bin ich etwas stolz: Am Donnerstag haben wir in Was mit Medien bei DRadioWissen schon ganz richtig das Ende der Samstagsabenshow ausgerufen. Jens Schröder hat mit uns eine spannende Reise durch die Quotenvergangenheit der Sendung genommen. Brüssel-Korrespondent Christian Feld hat uns Tipp über eine bessere EU-Berichterstattung gegeben und Christian Jakubetz hat uns Universalcode 2 vorgestellt. Für das neue Journalismus-Lehrbuch läuft aktuell eine Crowdfunding-Aktion, die ich euch empfehlen möchte.

Am Samstag war Endlich Samstag! Herr Pähler und ich haben mit einem Piloten gesprochen und uns die Faszination seines Berufes erklären lassen, mit Bosse dachten wir an den Todestag von  Kurt Cobain und ein Mimik-Leser hat uns das kleine Interview-Fiasko von Jürgen Klopp im ZDF-Sportstudio analysiert (leider kein Artikel).

Ansonsten habe ich mich sehr, sehr, sehr viele Webseiten angeschaut und bewertet. Die Bewertungsarbeit der Nominierungskommission des Grimme-Online-Awards läuft noch ein paar Tage.

Ach ja, und dann war dann ja auch noch “Wetten, dass..?”. Es war (überraschend) eine gute Sendung. Als alle Promis auf den Trampolin-Geräten hüpften, schien die Qual des Quotenverfalls für einen Moment vergessen. Dann der Hammer in der Verabschiedung von Markus Lanz. Bis zum Jahresende gibt es nur noch drei Ausgaben von “Wetten, dass..?” — dann ist Schluss.  Zum Ende der Show habe ich dem Schweizer Tages-Anzeiger ein Interview gegeben. Die Überschrift: “Der glücklichste Moment seit langem” — das passt irgendwie auch zu meiner Woche.